Insgesamt sind Texte von 37 österreichischen Autoren in dieser Anthologie (kann man es so nennen?) versammelt. Neben den Aushängeschildern für Humor aus Österreich wie etwa Helmut Qualtinger, Anton Kuh, Friedrich Torberg oder Karl Kraus lernt man hier aber auch die humoristische Seite von Autoren kennen, die nicht unbedingt wegen komischer Texte bekannt sind. Es beginnt mit Franz Bleis Aus dem großen Bestiarium der Literatur, in welchem Blei sich selbst und seine schreibenden Zeitgenossen nach eher naturwissenschaftlichen Kriterien wie „Das Werfel“, „Die Wildgans“ oder „Der Blei ist ein Süßwasserfisch…..“ analysiert.
Ilse Walter eröffnet dem Leser, daß Ödön von Horváth ein Vorläufer von Ernst Jandl gewesen sein muß, betrachtet man seine Lieder zum Schlagzeug; hier ein Ausschnitt:
Bambum!!
Stepptepptepptepp
Ein tepp durchsteppt die Welt.
Ohne Charme. Ohne Geld.
Stepptepptepptepp
Stepptepptepptepp
Sieh – ohne Melodie
Zappelen die Knie!
Kikiriki!!
Bambum!!!
Pst!
–
(S.230)
Andreas Okopenko fordert in seinem Volkstümlichen Liebeslied „Schenk mir ein Mehlkompott / für meinen Alltagstrott“ (S. 217), während Peter Hammerschlag „Oh du meine Rehi / Mit deinem Wunderzehi“ anbetet (S. 212) und Reinhard P. Gruber Benützungsvorschriften für Burgtheater und Staatsoper entwirft: so ist z. B. das Brandlegen verboten (S. 132).
Die wirklich gelungen ausgewählten Texte sind unter verschiedenen Aspekten zusammengefaßt, zum Beispiel „Garstige und andere Wörter“, „Nahrung für Kulturmenschen“ (mit H. C. Artmanns Rezept für Erdäpfelgulasch) oder „Wenn nachts ich auf der Stiege flirt'“. Allen Kapiteln sind entsprechend treffende Karikaturen von Ivan Klein vorangestellt.
Ilse Walters Sammlung zeigt, daß die österreichische Literatur eine blühende Landschaft für Humor ist (nicht nur eine Fata Morgana in der Wüste). Das Buch ist ein hervorragendes Geschenk für viele Gelegenheiten – doch kaufen Sie gleich zwei, denn eins sollten Sie auf jeden Fall für sich selbst behalten.