Und auf diesem Hintergrund verwundert es nun nicht, dass in den von Eva Lavric im Klever Verlag neu versammelten Gedichten Menschen, Natur und Objekten eine seltsam liebevolle Gleichrangigkeit erschrieben wird: „ALLES war aus EINEM gemacht.“ Von der Rose über die übervolle Leerstelle dessen, „was immer sich zeigt“, vom Neologismus bis zum Dialekt, vom Zauberspruch bis zur Kritik am Politischen, vom Satirischen bis zum Kindlich-Phantastischen, Wortspielerisch-Satyrischen scheint hier alles hierarchiefrei in derselben Ebene zu flottieren, scheint auf dieselbe Weise begrüßt zu werden.
Quasi abbildend werden die Bezeichnungen auf dem Blatt verteilt – und die Bezeichnung des Blattweißen, das den Malgrund bildet, gleich mit, sodass wie ein schöner Sog die Schrift es in sich selbst hineinzieht.
Allgemein immer wieder spürbar der Wunsch, jene Unmittelbarkeit wiederzufinden, die von einer nicht als wegweisend erfahrenen Schulbildung verstellt wird – eine Art von anarchischem Humor, der gegen die Aufpasser und Schaffner dieser Welt ausgeübt wird; dies auch und vor allem im Haiku oder in haikuähnlichen Formen, die bei Loidl oft tatsächlich zu „lustigen Versen“ geraten.
Artmanns spielerischer Umgang dagegen mit den Ingredienzien eines sehr theatralischen, in Anführungszeichen gesetzten Kultischen erhält in freieren und längeren Formen seine spezielle schamanische Färbung, die Loidl selbst zuweilen als kindliche Allmachtsphantasie entlarvt. Elfen und Zwerge, seltenes Gestein, glitzerndes Geflatter … ein Lichtfleck zu sein auf dem Boden vor dir – die Welt scheint erotisch, weil der Dichter sie liebt. Klar, man glaubt ihm jederzeit dieses „wehe Verlangen nach mehr“, das selbst schon den Fokus verrückt.
Christian Loidl hat das Verlangen bis zur leider tödlichen Konsequenz gelebt.
Es mag etwas beunruhigen, dass einige Texte vom Autor nicht mehr beendet und nun von der Herausgeberin in eine erahnte Endfassung gebracht wurden. Aber: Nur schön, dass es diese Gedichte (wieder) gibt.